Das Licht, der Schatten und die Menschen

Licht und Schatten lebten seit langer, langer Zeit in Harmonie und Frieden miteinander. Menschen verehrten beide auf ihre Art. Das Licht war hell, warm, wohltuend. Bekamen die Menschen sein natürliches Antlitz zu Gesicht, nannten sie es «Tag». Strahlte das Licht jedoch zu intensiv, sehnten sie sich nach dem Schatten. Er schützte vor Hitze und hüllte die Erde am Ende des Tages in eine geheimnisvolle Stimmung. Diese Stimmung nannten die Menschen «Nacht».
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Ein erleuchteter Berg

Eines Tages kamen am Fusse eines Berges viele Menschen zusammen, um gemeinsam ein Fest zu feiern. Das Fest begann am Tag und endete in der Nacht. Als das Licht seine Ablösung vorbereitete, liess es den Berg wundersam leuchten. Die Menschen waren von der Schönheit des Moments tief bewegt. Spontan ehrten sie das Licht, indem sie dem Berg den Namen Sonnenberg verliehen.
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Die Abkehr des Schattens

Dann brach die Nacht ein. Das Fest begann ausgelassener zu werden. Viele Stunden wurde getanzt und Musik gemacht, bis die Menschen müde wurden und sich hinlegten. Nur einer war noch wach zu dieser späten Stunde. Es war der Schatten – tieftraurig darüber, dass man ihn völlig vergessen hatte. Seine Präsenz sahen die Menschen als selbstverständlich an. In dieser Nacht beschloss er, sich von ihnen wie auch vom Licht abzuwenden.
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Gestein wird zu Magma

Fortan war rund um die Uhr Tag. Zuerst fanden die Menschen dies toll. Bald aber wünschten sie sich den Schatten zurück. Die Nacht war nämlich eine Zeit der Ruhe, der Erholung und der Inspiration. Eine magische Zeit. Ausserdem fing die Erde an, sich stetig zu erwärmen. So begann der Sonnenberg allmählich in seinem Kern zu schmelzen. Im Inneren des Berges wurde Gestein zu Magma. Es bildeten sich ganze Ströme davon. Ein Ausbruch war nur noch eine Frage der Zeit.
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Ein Fest zur Versöhnung

Erst in der Not realisierten die Menschen, dass sie dem Schatten Unrecht getan hatten. Sie erkannten ihr Versäumnis und unternahmen nun alles, um ihn versöhnlich zu stimmen. Verloren hatten sie ihn an einem Fest – also wollten sie ihn auch mit einem Fest wieder zurückholen. Eines, das gleich mehrere Tage dauern sollte. Musikerinnen und Musiker aus weiten Teilen der Welt wurden dafür eingeladen. Von jedem und jeder stellten die Menschen eine Skulptur her, die sie über das Festgelände verteilten. Das Licht erleuchtete sie sogleich hell, doch erschienen die Skulpturen nicht vollendet. Um ihre wahre Schönheit entfalten zu lassen, fehlten die Schattierungen.
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Fortsetzung folgt am Festival
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